Assetallokation – 4 Beispiele

Bei der Erstellung der eigenen Portfoliostruktur (Assetallokation) kann es hilfreich sein, sich von anderen Portfolios inspirieren zu lassen. Ein Portfolio besteht aus einem Renditebaustein (Aktien) und einem Sicherheitsbaustein (Anleihen oder Tagesgeld). Es kann durch Immobilien und Rohstoffe weiter ergänzt werden.

Nachdem wir uns damit beschäftigt haben, welche Assetklassen es gibt, stellt sich nun die Frage, in welche man zu welchen Anteilen investieren sollte. Bei der Erstellung der eigenen Portfoliostruktur kann es hilfreich sein, sich von anderen Portfolios inspirieren zu lassen. Dabei können Sie sich für die Gewichtung Ihres eigenen Portfolios an den dargestellten Aufteilungen orientieren oder sich ganz bewusst für eine andere Gewichtungen entscheiden.

> Machen Sie sich klar wie Rendite, Risiko und Diversifikation den Erfolg Ihres Portfolios bestimmen.

2-Asset-Klassen-Portfolio

Ein Zwei-Asset-Klassen-Portfolio besteht aus einer risikobehafteten und einer risikoarmen Komponente und setzt sich daher aus folgenden beiden Bausteinen zusammen:

  • Aktien (risikobehaftete Anlage) | Renditebaustein
  • Anleihen/Tagesgeld (risikoarme Anlage) | Sicherheitsbaustein

Die Gewichtung dieser beiden Komponenten hängt von der individuellen Risikotragfähigkeit des Investors ab. Gängige Kombination sind 30% Aktien und 70% Anleihen (defensives Portfolio),  50% Aktien und 50% Anleihen (ausgewogenes Portfolio) oder 70% Aktien und 30% Anleihen (offensives Portfolio). Selbstverständlich sind auch alle anderen Zahlenkombinationen denkbar und es gibt Anleger die 100% ihres Vermögens in Aktien investieren und so ihre Renditeerwartungen, aber eben auch entsprechend ihr Risiko, erhöhen. Wenn man einen langen Anlagehorizont hat und Verlust aussitzen kann ohne verkaufen zu müssen, kann man durchaus einen höheren Prozentsatz in Aktien investieren.

Grundsätzlich gilt bei der Kombination der Bausteine, dass proportional zur Beimischung der ‚risikoarmen‘ Anlage die erwartete Rendite des Zwei-Asset-Klassen-Portfolios sinkt. Allerdings gilt dabei, dass das Portfoliorisiko überproportional sinkt, es sinkt also schneller als die Rendite. 1 Das bedeutet, dass man durch die Beimischung von risikoarmen Anlangen zwar durchaus auf Rendite verzichten muss. Man bekommt aber mehr Sicherheit dafür und zwar einen höheren Anteil, als man auf Gewinne verzichtet (siehe Tabelle).

Der Nutzen von Diversifikation 1996 bis 2016 (21 Jahre)
Aus: Kommer, G. (2018). Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen: Campus Verlag, S. 64. Verwendet mit freundlicher Genehmigung von Gerd Kommer.

Pantoffel-Portfolio von Finanztest (Beispiel 1)

Das „Pantoffel-Portfolio“ von Finanztest, so genannt, weil es besonders einfach ist, besteht aus einem Rendite- und einem Sicher­heits­baustein, die sich je nach Risiko­bereitschaft unterschiedlich mischen lassen. Aktien-ETFs sollen dafür sorgen, dass die Rendite stimmt. Stabilität bringt ein Tages­geld­konto oder ein Renten-ETF, der in sichere Staats- und Unter­nehmens­anleihen investiert.

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Siehe auch Bücher

Multi-Asset-Klassen-Portfolios

Für kleinere Anlagevolumina (grober Richtwerte: Sparplan < € 500,- bzw. Anlagevolumen < € 100.000,-), ist es ratsam zunächst in ein einfaches Portfolio mit wenigen Komponenten zu investieren. Bei größeren Portfolios ist es überlegenswert diese durch die Aufnahme weiterer Assetklassen zu diversifizieren. Für die meisten Anleger ist eine Kombination aus Aktien, Anleihen, Tagesgeld, Immobilien (Immobilienaktien) und Rohstoffe eine gute Möglichkeit in mehrere Assetklassen zu investieren. Diese Assetklassen korrelieren im mittleren Bereich und können die Volatilität des Portfolios deutlich senken. Alternative Assetklassen, wie Hedgefonds und Private Equity, sind kaum mit anderen Assetklassen korreliert, aber nur den vermögenderen Investoren zugängig.

Die Tabelle zeigt, dass Aktien aus USA, Europa und Emerging Marktes mit Korrelationen über 0.7 recht hoch korrelieren, während die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen bzw. Aktien und Rohstoffen im Sinne der Diversifikation erfreulich niedrig sind.

Korrelationen der Kalenderjahresrenditen zwischen verschiedenen Assetklassen von 1997 bis 2016
Aus: Kommer, G. (2018). Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen: Campus Verlag, Seite 371. Verwendet mit freundlicher Genehmigung von Gerd Kommer.

Weiter muss berücksichtigt werden, dass sich Parameter deutlich in Abhängigkeit von Marktphasen verändern können. Beispielsweise gehen Werte von Staatsanleihen und von Immobilien in Aktien-Krisenzeiten eher nach oben. 2 Auch hat die Diversifikation zwischen Rohstoffen und Staatsanleihen in der Krise 2008/2009 deutlich zugenommen. Die Korrelation zwischen Rohstoffen und Staatsanleihen betrug vor der Finanzkrise 0,13 und sank während der Krise 2008/2009 auf -0,55. 3

ARERO (Beispiel 2)

ARERO ist ein Weltfond, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert und Indexfonds aus Aktien, REnten und ROhstoffen vereint. Die wissenschaftlich fundierte Vermögensallokation wurde von Prof. Martin Weber an der Universität Mannheim entwickelt.

Der Weltfond besteht aus:

  • 60% Aktien (Europa, Nordamerika, Pazifikraum und Schwellenländer)
  • 25% Renten (Euro-Staatsanleihen)
  • 15% Rohstoff-Futures (über den Bloomberg Commodity Index Total Return 3 Month Forward)

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Vermögensstrategie-ETFs von ComStage (Beispiel 3)

Für Privatanleger, die Zeit und Aufwand reduzieren möchten und die Bausteine ihres Portfolios nicht selbst zusammenstellen wollen, bietet ComStage mit drei Multi-Asset Portfolio-ETFs, den ComStage Vermögensstrategie ETFs, eine Lösung zum langfristigen privaten Vermögensaufbau an. Dabei gibt es drei Produkte deren Assetallokation folgendermaßen aussieht: 

  • 60 Prozent Aktien-ETFs, 30 Prozent Anleihen-ETFs und 10 Prozent Rohstoff-ETFs
  • 40 Prozent Aktien-ETFs, 50 Prozent Anleihen- und Geldmarkt-ETFs und 10 Prozent Gold-ETCs
  • 80 Prozent Aktien-ETFs, 10 Prozent Renten-ETFs und 10 Prozent Rohstoff-ETFs

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All-Wetter-Portfolio von Ray Dalio (Beispiel 4)

Hedgefond-Legende Ray Dalio gilt als bester Portfoliostrukturierer der Welt. 4 Der Selfmade-Millardär hat ein persönliches Nettovermögen von 14 Milliarden und verwaltet in seinem Hedgefond BridgeWater Associates 160 Milliarden US-Dollar. Er erzielt eine Jahresrendite von 21 % für seine Investoren. Dalios All-Wetter-Portfolio beschreibt Tony Robbins in seinem Buch ‚Money: Die 7 einfachen Schritte zur finanziellen Freiheit‘. Die vorgeschlagene Assetallokation sieht folgendermaßen aus:

Vergl.: Dalio, R. (2019). All Weather Portfolio Strategy Portfolio: Interactive | Robbins, T. (2015). Money: Die 7 einfachen Schritte zur finanziellen Freiheit: FinanzBuch Verlag, S. 413

Die zentrale Idee von Dalio ist, die Anlageklassen nicht anhand der erwarteten Rendite, sondern anhand ihres Risikos zu gewichten. Staatsanleihen sind in dem Depot deutlich höher gewichtet als Aktien, weil sie eine geringere Volatilität haben.
Backtest zeigten, dass das All-Wetter-Portfolio knappe 10% jährliche Rendite brachte und in 85% der letzten 30 Jahre (1984 bis 2013) positive Ergebnisse einbrachte. 5 Das besondere Merkmal der Strategie ist dabei, dass es nur sehr geringe Drawdowns gab. Anders als bei einer reinen Aktienanlage mussten Anleger also zwischenzeitlich nicht mit deutlichen Wertverlusten rechnen.

Wie das All-Wetter-Portfolio von Bridgewater Associates das Risiko genau bestimmt und die einzelnen Anlageklassen gewichtet, ist nicht im Detail bekannt. Um das Risiko anzupassen, kann Bridgewater Associates auch einen Hebel einsetzen und so zum Beispiel Staatsanleihen, die von Natur aus eine geringere Renditeerwartung als Aktien haben, hebeln, um so ein vergleichbares Risiko- und Renditeprofil wie bei Aktien zu erreichen.

Die Backtest mit Dalios Portfolio beinhalten Zeiten mit hohen (in den 1980er) und dann sinkenden Zinsen (bis heute), die die Wertentwicklung des Anleihenanteils sehr stark gefördert haben. In der heutigen Situation ist zu bezweifeln, dass sich die Strategie in Zeiten niedriger und steigender Zinsen ähnlich gut schlagen wird. Außerdem ist Dalios Strategie mit 55% US-Staatsanleihen, gerade aus europäischer Sicht, sehr „US-lastig“. Um das Portfolio für deutsche Anleger zugänglich zu machen, könnte man die einzelnen Anteile mit einem ETF in heimischer Währung nachbilden. Die US-Staatsanleihen könnten natürlich auch durch deutsche Staatsanleihen ersetzt werden, die allerdings aktuell negative Rendite bringen.

Sich mit Dalios Denkweise und seiner Portfolio-Strategie zu beschäftigen, ist lehrreich. Auch wenn vor dem Nachbilden von Dalios Portfoliostruktur für einen deutschen Anleger unter aktuellen Marktbedingungen zu warnen ist.

Mehr zum Thema
Finanzfluss: Das Allwetter-Portfolio von Ray Dalio: Langfristig erfolgreich an der Börse? | 10.03.2019 | 6:30 Min

Rebalancing

Wenn Sie sich für Ihre Assetallokation entschieden haben, sorgen Sie von Zeit zu Zeit dafür (z.B. ein Mal pro Jahr), dass die ursprüngliche Gewichtung der Anlageklassen im Portfolio wieder hergestellt wird. Konsequentes Rebalancing erzieht dazu, sich entgegen der vorherrschenden Meinung zu verhalten: Anlagen, die ‚gut gelaufen’ sind, werden reduziert (verkauft) und diejenigen, die sich unterdurchschnittlich entwickelt haben, werden aufgestockt (gekauft). Wird kein Rebalancing betrieben, können sich Rendite und Risikowahrscheinlichkeit im Portfolio signifikant verschieben. Damit passt das Portfolio nicht mehr zu den ursprünglichen Zielen und Überlegungen des Anlegers.

Fragen

Wie wichtig ist es zum richtigen Zeitpunkt einzusteigen?

Christian Röhl von DividendenAdel hat ein Renditedreieck für den MSCI World Index erstellt. Dabei zeigt sich, ab einem Horizont von 15 Jahren hat man im letzten halben Jahrhundert (seit 1972) unabhängig vom Ein- und Ausstiegszeitpunkt mit globalen Aktien niemals Geld verloren. Siehe auch BeitragSparplan oder Einmalinvestment – das richtige Timing für den ETF-Einstieg finden

Mein Anlagehorizont ist 15 bis 20 Jahre. Gab es in der Vergangenheit Phasen, in denen Aktien auch langfristig Verluste (negative Renditen) gemacht haben?

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die kumulierten Aktienrenditen in Deutschland (1900-54, 55 Jahre), Japan (1900-50; 51 Jahre) und England (1900-21, 22 Jahre) sowie weltweit (1910-1931; 22 Jahre) negativ. 6 Diese Zeit, die durch zwei Weltkriege geprägt war, war für Aktien-Investoren über einen langen Zeitraum mit negativen Renditen verbunden.
Anmerkung: Siehe dazu die sehr schöne Tabelle ‚Real equity returns in key markets over selected periods‘ in Dimson, E., Marsh, P., & Staunton, M. (2018). Credit Suisse Global Investment Returns Year Book 2018: Credit Suisse Research Institute Zurich, S.16, https://www.credit-suisse.com/media/assets/corporate/docs/about-us/media/media-release/2018/02/giry-summary-2018.pdf)

Mehr zum Thema

Faculty lecture: What should I do with my money? | London Business School | 19.03.2015 | 97 Minuten

Referenzen

  1. Kommer, G. (2018). Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen: Campus Verlag, S. 63
  2. Vergl. ExtraMagazin. https://de.extraetf.com/wissen/diversifikation
  3. Ziggel, D. (2011). Kein Diversifikationseffekt in Krisenzeiten? Runtergeladen von https://www.ruhr-uni-bochum.de/imperia/md/content/mathematik3/presse/etf_artikel.pdf
  4. Robbins, T. (2015). Money: Die 7 einfachen Schritte zur finanziellen Freiheit: FinanzBuch Verlag
  5. Dalio, R. (2019). All Weather Portfolio Strategy Portfolio: Interactive
  6. Dimson, E., Marsh, P., & Staunton, M. (2018). Credit Suisse Global Investment Returns Year Book 2018: Credit Suisse Research Institute Zurich, S.16

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