Anleihen – was ist das und lohnen sie sich?

Beim Erwerb von Anleihen, verleihen Investoren ihr Geld für eine gewisse Zeit an Staaten oder Unternehmen, damit diese investieren können und kassieren dafür Zinsen. Derzeit werden Anleihen nur niedrig verzinst.

Anleihen (engl. bonds) sind zinstragende Wertpapiere. Sie dienen Staaten und Unternehmen als Finanzierungsmittel und werden an der Börse gehandelt. Beim Erwerb von Anleihen, verleihen Investoren ihr Geld für eine gewisse Zeit (Laufzeit) an Staaten oder Unternehmen, damit diese investieren können und kassieren dafür Zinsen. Im Gegensatz zu Aktien sind Investoren bei Anleihen also nicht Miteigentümer, sondern Gläubiger.

Eine Anleihe hat immer folgende drei Merkmale:

  • Nennwert

Der Nennwert (auch Nominalwert) ist der Geldbetrag, den der Herausgeber einer Anleihe (Schuldner) dem Käufer (Gläubiger) schuldet.

  • Kuponzins

Der Kuponzins ist der Zinssatz, den der Anleger vom Staat oder von Unternehmen für seine Investition erhält. Zum Beispiel 3% pro Jahr.

  • Laufzeit

Die Laufzeit einer Anleihe beschreibt den Zeitraum zwischen der Emission und dem letzten Handelstag an dem die Tilgung erfolgt. Üblich sind Laufzeiten von 3 bis 4 Jahren. Manche Staatsanleihen haben aber auch deutlich längere Laufzeiten von 30 Jahren und mehr.

Anleihen werden genau wie Aktien an der Börse zu einem Kurs gehandelt. Neuemissionen erfolgen im Börsensegment des Primärmarktes, bereits in Umlauf befindliche Anleihen werden auf dem Sekundärmarkt gehandelt. Da Anleihen handelbar sind, muss man also nicht bis zum Ende der Laufzeit warten bis man eine Anleihe wieder verkaufen kann. Der Kurs einer Anleihe wird in Prozent des Nennwertes angegeben. Steht der Kurs zum Beispiel bei 95% können Anleihen günstiger gekauft werden.

Nach Angaben der Deutschen Börse sind am deutschen Markt 29.000 Anleihen handelbar. 1 Im Vergleich zu rund 12.000 handelbaren Aktien, machen Anleihen einen großen Anteil des Wertpapierhandels aus.

Wie hoch die Zinsen sind, die Sie für Anleihen bekommen, hängt von der Bonität des jeweiligen Emittenten ab, also von seiner Kreditwürdigkeit. Ratingagenturen wie Standard & Poors schätzen die Bonität regelmäßig ein.

Wichtigste Risiken von Anleihen sind das Ausfallsrisiko (auch Bonitätsrisiko) und das Zinsänderungsrisiko. Ausfallrisiko bedeutet, dass der Schuldner einer Anleihe in Zahlungsverzug kommt oder sogar zahlungsunfähig wird. Zinsänderungsrisiko heißt, dass die Kurse, zu denen Anleihen gehandelt werden, stark durch die  Veränderungen des Marktzinses beeinflusst werden. Während der Emittent die Anleihe am Ende der Laufzeit immer zu 100 Prozent des Nennwerts zurückzahlt, kann der Marktzins den Anleihekurs während der Laufzeit in die positive oder negative Richtung beeinflussen.
[Anmerkung: Ob und wann die Marktzinsen steigen, weiß niemand. Aber rechnen Sie mit Kursverlusten bei Anleihen, wenn die Zinsen stiegen 2]

Anleger können Anleihen einzeln oder in Form von Investmentfonds kaufen. Solche Rentenfonds streuen das Risiko auf viele Einzeltitel, verlangen aber eine Verwaltungsgebühr.

Wichtig zu wissen ist vielleicht noch, dass bei Insolvenzen zuerst die Gläubiger und dann die Eigner ausgezahlt werden. Anleihenbesitzer werden also vor Aktionären bedient.

Deutsche Staatsanleihen

Deutsche Staatsanleihen gelten als sehr sicher, haben aber im Moment sogar eine negative Rendite.

Die Rendite für die aktuelle zehnjäh­rige Bundes­anleihe 19/29 (Isin DE 000 110 246 5) liegt derzeit mit minus 0,39 Prozent pro Jahr (Stand: 3. Juli 2019) sogar deutlich im negativen Renditebereich. Dazu kommt noch der Wertverlust durch die Inflation, die im Juni 2019 bei 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahres­monat lag. 3

Die Wertentwicklung deutscher Staatsanleihen wird mit dem Deutscher Renten-Performanceindex (RexP) gemessen. Er wird von der Deutschen Börse als Kursindex ermittelt. 

Portfoliostruktur

Für die Portfoliostrukturierung gilt, dass Anleihen als Stabilitäts-Baustein im Portfolio gut geeignet sind 2, da ihr Kurs deutlich weniger als bei Aktien schwankt. Anleihen und Aktien korrelieren zudem relativ gering oder sogar negativ, sodass sie im Portfolio gute ‚Diversifizierer‘ sind. Anleihen (Staatsanleihen höchster Bonität mit einer Laufzeit von ca. 3 Jahren) und Aktien (MSCI World) korrelierten in den letzten 20 Jahren (1997 bis 2016) mit -0.59. 4

Hinweis: Investieren Sie immer in Anleihen, die in Euro gehandelt werden. Experten empfehlen, dass der Stabilitäts-Baustein im Portfolio kein Wechselkursrisiko tragen sollte. 5

Lohnen sich Anleihen?

Staats- und Unternehmensanleihen mit hoher Bonität lohnen sich aktuell kaum (Stand: August 2019), da sie geringe oder sogar negative Zinsen abwerfen. Sogar für manche Tagesgeldkonten kann man zurzeit höher Zinsen bekommen als für Bundesanleihen mit Laufzeiten von mehr als zehn Jahren. 

Ich selbst investiere nicht in Anleihen. Der Stabilitäts-Baustein meines Portfolios besteht aus Tages- und Festgeld.

Glossar zum Thema

Anleihe – Eine Anleihe ist ein zinstragendes Wertpapier. Anleihen dienen Staaten und Unternehmen als Finanzierungsmittel und werden an der Börse gehandelt.

Bonität – Bonität bezeichnet die Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit eines Schuldners (Emittenten). Damit gilt sie als Indikator für die Sicherheit einer Anleihe. Ratingagenturen wie Standard & Poor’s (S&P), Moody’s oder Fitch schätzen in regelmäßigen Abständen die Bonität von Schuldner ein. Die  Bonität wird in investmentwürdige Anleihen (Investment Grade), Ramschanleihen (Junkbonds) und Anleihen, bei denen Zahlungsausfälle unmittelbar bevorstehen, unterschieden

Emittent – Als Emittent wird an den Finanzmärkten der Herausgeber von Wertpapieren bezeichnet. Bei Anleihen wird der Emittent zum Schuldner, der die Verzinsung und die Rückzahlung gewährleistet.

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Mehr zum Thema

Finanzfluss | Anleihen einfach erklärt: Was sind Unternehmens- und Staatsanleihen? | Finanzlexikon |  7 Min

> ein sehr gutes Einführungsvideo zum Thema Anleihen

  1. Börse Frankfurt (2019), abgerufen am 21.08.2019 unter https://www.xetra.com/xetra-de/handel/handelsplatz-boerse-frankfurt
  2. Wallstabe-Watermann, B., Klotz, A., Baur, G., & Linder, H. G. (2018). Anlegen mit ETF. Geld investieren mit ETF und Indexfonds. Berlin: Stiftung Warentest
  3. Stiftung Warentest (2019). Bundes­wert­papier, Pfand­brief, Unter­nehmens­anleihe. Anleihen im Test. Verfügbar unter https://www.test.de/Bundeswertpapier-Pfandbrief-Unternehmensanleihe-Anleihen-im-Test-4440501-4455378/
  4. Kommer, G. (2018). Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen: Campus Verlag, S. 371
  5. Kommer, G. (2018). Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen: Campus Verlag

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